Auch Auszüge lassen sich gewinnbringend analysieren.....
E-Mail vom Chef / WirtschaftsWoche 08.11.2008
Trotz vieler Beschwerden will SAP-Chef Henning Kagermann die umstrittene Erhöhung der Wartungsgebühren für SAP-Software bis Jahresende durchsetzen.
Henning Kagermann gibt nicht nach. Trotz vieler Beschwerden von Kunden will der Chef des Computerkonzerns SAP die umstrittene Erhöhung der Wartungsgebühren für SAP-Software bis Jahresende durchziehen.
„Ab Januar gelten für die meisten Kunden die neuen SAP-Wartungsverträge", schreibt Kagermanns Deutschland-Statthalter Volker Merk in einer internen E-Mail an Mitarbeiter des Konzerns. „Unser Ziel ist es, bis 31.12.2008 alle Verträge umzustellen. [...] Wenn wir in der Lage sind, die Verträge so früh wie möglich umzustellen, reduzieren wir auch das Risiko im 4. Quartal. Bitte denkt daran, dass alle Verträge bis 19. Dezember unterzeichnet sind."
Grund des Brandbriefs: Jedes Unternehmen, das Softwarelizenzen bei SAP kauft, muss seit Frühjahr dieses Jahres für die regelmäßige Wartung im Rahmen des sogenannten Enterprise Support 22 Prozent des Listenpreises bezahlen. Für alte SAP-Kunden steigen die Gebühren von derzeit 17 Prozent bis zum Jahr 2012 sukzessive auf 22 Prozent, was viele Kunden beunruhigt.
„Trotz der guten Zielerreichung im dritten Quartal spüren wir den Einfluss der Finanzkrise und der Umstellung auf SAP Enterprise Support am Markt", so Merk in seiner E-Mail. Bisher hatte SAP einen Zusammenhang zwischen dem Umsatzeinbruch im Ende September abgelaufenen Quartal und der Erhöhung der Wartungskosten zurückgewiesen.
Meine Anmerkung nach dem Lesen: Nichts gelernt aus der Finanzkrise!
Eine Ursache der Finanzkrise war die bedeutungsleere Art und Weise, wie von den Akteuren geredet und geschrieben wurde. Beispiel "Zertifikat".
Ein Zertifikat ist nur eine Bescheinigung, ein Stück Papier und beschrieben. Das gelangt in den Markt, und niemand fragt, was denn die tatsächliche Bedeutung des Geschriebenen ist.
Dieses unklare Schreiben geht weiter, siehe die E-Mail vom Chef! Wer ist denn gemeint mit "uns" ("Unser Ziel ist es ...")?
Drei Bedeutungen sind möglich: Herr Merk meint sich und schreibt im Pluralis Majestatix, oder er meint den Vorstand von SAP, oder es hat eine Abstimmung über das Ziel gegeben? Wer also steckt in "uns" - es wird keine klare Antwort geben! Erinnert fatal an Zertifikate?!
Am Ende der E-Mail vom Chef wird angewiesen: "Bitte denkt daran ...". Wieder ist das Geschriebene nicht ganz ohne. Denn es gibt kein "Sie" (Bitte denken Sie daran ...) und es gibt auch kein "Ihr" (Bitte denkt Ihr daran...)!
Hier ist es das Weglassen, was an das Nicht-Geschriebene bei den Zertifkaten erinnert.
Aber der Chef gibt sich irgendwie jovial; das man so sein muss, ist das die Lehre aus der Glaubwürdigkeitskrise?
Eine "gute Zielerreichung" wird dann noch beschrieben, also nicht einfach die Zielerreichung im dritten Quartal! Und erst recht nicht: "Obwohl wir (!) die Ziele im dritten Quartal gut erreicht haben ...."
Das wäre zuviel Klarheit! Fehlende Klarheit, das ist Ursache für die Finanzkrise, und man erreicht sie nur, indem man bedeutungsleer redet und erst recht schreibt.
Ich kann nachvollziehen, dass wegen dieser bemerkenswerten E-Mail Kommunikation manch Kunde die neuen Wartungsverträge ablehnt. Verträge werden geschrieben, und wie bei diesem DAX-Unternehmen geschrieben wird, dieses zeigt diese E-Mail! Die E-Mail ist schon so ein Schelm .......